Auf die Bucketlist: Trockenfallen

Trockenfallen – was ist das eigentlich? Das mag man sich durchaus fragen, es sei denn, man kommt aus dem Norden der Niederlande oder hat Erfahrung mit Schiffen im Wattenmeer. Trockenfallen ist etwas, das perfekt in unsere Zeit passt:

  • Für viele Menschen ein einmaliges und überaus einzigartiges Erlebnis
  • Zurück zur Natur und zur Bewusstwerdung für die Umwelt
  • Eine Gelegenheit dich zu entspannen und zu entschleunigen („there is no other place you can go“)
  • Es ist off-grid

Aber was genau ist eigentlich Trockenfallen? Um das zu verstehen, brauchst du ein wenig mehr Hintergrundwissen – über zwei spezielle Themen: traditionelle Segelschiffe und über das Meer und seinen Boden. Zwei Themen, die perfekt zu Rederij van Linschoten passen. Denn Trockenfallen ist eines der Lieblingsabenteuer an Bord großer traditioneller Segelschiffe.

Die Schiffe

Zuerst die Schiffe. Die Niederlande sind ein Land mit viel Wasser. Früher, bevor es gute Straßen und Eisenbahnverbindungen gab, wurde ein Großteil der Fracht über das Wasser transportiert. Große, stählerne und beeindruckende Schiffe segelten mit den unterschiedlichsten Ladungen über das Wattenmeer, die damals noch vorhandene Zuiderzee sowie über die Flüsse, Kanäle und Seen der Niederlande. Das war eine vergleichsweise schnelle und günstige Methode, Waren zu transportieren.

Doch je mehr Ladung ein Kapitän transportieren konnte, desto besser für die eigene Tasche. Also: Je größer das Schiff, desto mehr Fracht konnte es befördern. Die Gewässer der Niederlande sind jedoch im Allgemeinen nicht sehr tief, und früher lagen viele Stellen zwischen 1,20 m und maximal 3 m Tiefe. Ein Schiff mit zu großem Tiefgang konnte auf den Binnengewässern also nicht fahren. Und je mehr Ladung, desto tiefer lag das Schiff im Wasser. Aber ja, sie wollten natürlich trotzdem möglichst viel Fracht auf einmal mitnehmen…

Die klugen Niederländer entwickelten, um dieses Problem zu lösen, vergleichsweise breite und flache Schiffe. Sie konnten viel Ladung transportieren, ohne dass das Schiff zu tief im Wasser lag und auf Grund lief. Diese Schiffe nennt man umgangssprachlich Plattbodenschiffe; sie haben einen flachen Boden und sind breit gebaut. Durch diese beiden Eigenschaften können sie sogar auf dem Land auf dem Boden ‘stehen’, ohne umzufallen. Und ein kleines Extra: Sie haben deshalb keinen Kiel. Um nicht seitlich weggeweht zu werden, wenn der Wind in die Segel bläst, besitzen sie an jeder Seite große Planken – die sogenannten ‚Seiten-Schwerter‘. Senkt man eines davon ins Wasser, erzeugt man Vortrieb, statt seitlich abgetrieben zu werden. Jetzt weißt du auch, wozu diese merkwürdigen Seitenplanken dienen – und nein, sie sind nicht zum Fliegen😉.

Das Wattenmeer

Dann musst du etwas über das Meer wissen. Auf dem Meer gibt es, wie jeder weiß, die Gezeiten: Ebbe und Flut. Das Wasser kommt und geht – verursacht durch die Anziehungskraft von Sonne und Mond. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt in den Niederlanden etwa 2 Meter. Auch in unserem wunderschönen UNESCO-Weltnaturerbe, dem Wattenmeer, gibt es Gezeiten. Das Wattenmeer erstreckt sich von Den Helder bis nach Dänemark. An vielen Stellen tritt bei Ebbe durch die Gezeiten ein großer Teil des Meeresbodens hervor: man sieht dann die Sandbänke. Ein beeindruckender Anblick – es wirkt wie ein riesiger Strand, durchzogen von großen und kleinen Prielen.

Das Trockenfallen

Jetzt kommen wir endlich zum Trockenfallen. Mittlerweile ist klar: Diese großen, breiten, flachen Schiffe können bei Hochwasser über eine Sandbank fahren. Und wenn das Wasser durch die Gezeiten sinkt (Ebbe), steht das ganze Schiff trocken auf der Sandbank – auf dem Meeresboden!

Trockenfallen passiert natürlich nicht von einer Minute auf die andere. Es dauert eine Weile, nachdem das Schiff auf Grund gelaufen ist, bis das ganze Wasser um das Schiff herum abgeflossen ist. Aber wenn das Wasser schließlich weg ist, hat man ein bis zwei Stunden Zeit, um herrlich über den Meeresboden zu laufen – ein einzigartiges Erlebnis. Mitten im Meer gehst du über den Sand oder durch Schlick entlang der Prielen.

Auf einer Sandbank ist man niemals allein; es herrscht reges Treiben: futtersuchende Vögel, Muscheln, kleine Meeresbewohner – es lebt dort alles Mögliche. Manchmal kann man ein paar Miesmuscheln, Schwertmuscheln, Queller, Herzmuscheln oder sogar Austern finden. Und ab und zu liegt in der Ferne ein Seehund oder schaut noch kurz vorbei, bevor das Schiff trockenfällt.

Trockenfallen ist eines der außergewöhnlichsten Erlebnisse überhaupt – ein Naturphänomen, bei dem man selbst Teil des Geschehens wird. Steht es schon auf deiner Bucketlist? Bist du schon einmal mit einem Schiff trocken gefallen? Dann weißt du genau, dass man dieses Erlebnis unbedingt wiederholen möchte. Buche deshalb eine Trockenfall-Reise auf einem unserer Plattbodenschiffe auf dem Wattenmeer – wähle bei den Mitsegelreisen das Fahrtgebiet „Wattenmeer“ oder reserviere eines unserer Schiffe für deine Gruppenreise.